Im Rahmen meines Gesangsstudiums muss ich eine Menge witziger Sachen machen. So liege ich manchmal auf dem Rücken und quietsche, kichere oder gebe andere seltsame Laute von mir, einfach nur, um das Gefühl für das Instrument in meinem Körper zu vertiefen. Blöd vorkommen tu ich mir dabei schon lange nicht mehr, man macht das ja schließlich jeden Tag.

Auf der anderen Seite stehe ich nach den Übungsstunden auf und alles ist wieder beim Alten. Es ist der Sing-Modus. Nichts anderes. Heute, nachdem ich wieder nach England zurückkam und feststellte, dass meine Stimme schon mal schnellere Fortschritte gemacht hat, habe ich beschlossen, ich integriere diese Haltungsübungen mal in mein Leben.

Eine extrem gute Idee, wie sich herausstellte. Denn wie ich versuchte, mit gerader Wirbelsäule die Treppe hinaufzugehen, überfiel mich eine regelrechte Panik und ich flüchtete schnell wieder in meine „alte“ Körperhaltung. Ich war heilfroh, dass niemand zugegen gewesen war, so verwundbar hatte sich diese eindeutig gesündere, aufrechte Haltung angefühlt. Was war passiert? Ich ging nach oben, um meine Übungen fortzusetzen, da fiel mir auf, dass ich mich nicht mehr wegen eines Solos grämte, das ein paar Wochen zuvor nicht ganz so gut gelaufen war.

Diese Erinnerung hatte mich regelrecht verfolgt, obwohl niemand außer mir direkt unzufrieden gewesen war mit meinem Auftritt. Auf einmal war dieses Gefühl des Versagt-habens nicht mehr da.

Ich glaube, ich habe heute gelernt, dass wir uns immer in Schutzhaltungen bewegen, und dass eine winzige Veränderung in der Körperhaltung eine regelrechte Flut an Erinnerungen auslösen kann. Es ist wie der Schock, den man „erleidet“, wenn man ins kalte Wasser springt. Ist man erst mal gesprungen, wird das Wasser dann auch ganz schnell erträglich.

Ich geh‘ dann mal weiter planschen 🙂 …

 

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