„Ich muss…“

Gefühlte 70% meiner Sätze begannen mit diesen beiden Worten, als ich noch in Deutschland war. Und ich habe mich damit nicht einmal schlecht gefühlt. „Ich muss…“ hieß, dass etwas voranging, und dass es in meiner Hand lag. Wenn ich etwas musste, was auch immer das war – zur Post gehen, die Steuererklärung machen, zur Arbeit, und so weiter – dann war ich in Bewegung. Und das fühlte sich gut an.

Im Zuge meiner „Umzugskrise“, sprich: der statistischen sechs bis acht Wochen, in denen man beim Umzug in ein neues Land erst einmal im Strahl kotzt, weil man unterbewusst die Veränderung abstößt, hatte ich einige Tage, an denen ich das Gefühl hatte, dass sich mit dem Ortswechsel ganz grundlegende Dinge in meinen Einstellungen änderten. Während ich den Professoren bei meinen Einführungsveranstaltungen zuhörte, kamen mir des Öfteren fast Rührungstränen. Diese Einstellung zur Musik und zum Lernen ist so ganz anders, als das, was ich kenne. Es hat nicht so viel mit Druck zu tun, sondern eher mit Unterstützung.

Und es passierte mir, dass ich nicht mehr musste, sondern einfach tat. Die Befreiung, die das „immer öfter nur tun“  mit sich bringt, ist schwer zu beschreiben. Es ist ein bisschen wie die Sonnenstrahlen, die durch eine Blätterdecke in einem Wald dringen. Von der Steigerung der Produktivität ganz zu schweigen. Ich weiß, ich werde immer weniger müssen, und deshalb immer mehr schaffen.

Was müsst ihr?

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