Den ganzen Abend neben dir, bei einem formellen Essen in einer größeren Gruppe. Mein Blick huscht flüchtig zu deinen Händen, und ich sauge ihre Sprache auf, wie ein Schwamm das Wasser. Du unterhältst dich mit jemand anderem, ich höre mit halbem Ohr zu. Manchmal kannst du dich nicht ausdrücken, dann wieder bringst du es so auf den Punkt. Ich atme das weiche, sanfte Register deiner Stimme und die momentane Welt aus Kerzenlicht, mattschwarzen Holztischen und kleinen Portionen auf großen Tellern verschwimmt vor meinen Augen.

Später stehen wir vor der Tür, du mit einer Zigarette zwischen zwei Fingern. Die Nacht ist klar und mild, der Frühling kündigt sich an. Ich will nicht reden, nicht philosophieren, keinen Smalltalk. Ich will, dass du mich gegen die Wand drückst mit diesen deinen Händen, und mir in die Augen starrst, mich mit deinem Blick vor mir selbst ausziehst, brutal, gnadenlos und geduldig. In unendlicher Ruhe, die Pupillen ebenso geöffnet wie fokussiert, denn du bist fair. Ich will, dass du mich zwingst, mit meinen Dämonen zu verkehren, so lange bis sie verschwinden, und ich schweißgebadet und keuchend in der absoluten Klarheit des Geistes sitze. Und wenn ich so lange in meinen Abgrund gesehen habe, bis ich geblendet bin von meinem Licht, dann sollst du mich küssen, still, stark genug, um Respekt vor meinen noch trocknenden, ungeübten Flügeln zu haben. Und wir würden dort stehen, in der kälter werdenden Nacht, vor der Tür. Ich gegen das Mauerwerk, deine schlanken Finger in das Leder meiner Jacke gegraben. Du würdest mich loslassen, und dich wie immer verabschieden. Ich würde mich bemühen, zu wachsen, um dir die Stirn zu bieten, und du würdest es wissen, würdest mir den Raum geben. Denn du würdest wollen, dass ich wachse, um Dir in die Augen zu sehen.

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