Ich sitze im Zug und starre gegen die Fensterscheibe. Draußen ist es bereits dunkel. Auf halber Strecke beginnt es, zu regnen. Tropfen perlen unablässig, Wasserflüsschen huschen über die Fensterscheibe, das monotone Rauschen ist wie Valium für das Gehirn. Meine Gedanken wandern zurück zu dir, so wie sie es immer tun, wenn ich ihnen erlaube, zu wandern. Dabei sind meine Augen auf mein Spiegelbild in der Fensterscheibe fixiert. Ich sehe mich, und sehe mich doch nicht an, erwidere leer meinen eigenen Blick. Die Landschaft hinter der Scheibe kann ich nicht wahrnehmen. Sie verschwindet im Dunkel, verschwimmt im Regen. Alles, was ich sehe, bin ich.


Ich rüttle mich wach, schrecke aus den Gedanken hoch wie aus einem Traum. Mein Spiegelbild verschwindet, wird unwichtig, weil mein Blick sich im Bewusstsein wieder auf die Landschaft dort draußen fokussiert. Ich sehe durch mich hindurch und hinaus in das Unbekannte, wo sich vereinzelt Vertrautes aus der Nacht schält. Felder liegen dort grau im Mondlicht, Bäume stehen am Horizont, stoisch und schwarz gegen den Himmel, ein Tier, vielleicht ein Reh, huscht vorbei.
Und ich vergesse mein Spiegelbild.

Dies ist die Art, wie ich dir in die Augen sehen möchte. Wenn mein Blick den Deinen trifft, möchte ich nicht mein Spiegelbild in deinen schwarzen Pupillen und dunklen Iriden sehen. Ich möchte durch die Tore deiner Seele gehen, und der Landschaft dahinter in aller Wachheit begegnen, so fremd sie auch immer sein mag.
Wenn du mich lässt.

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